Geld ist Macht
Beruf und Business

Wie wir Geldbewusstsein schaffen

Neulich unterhielt ich mich mit einer Freundin über das Problem von Schulden und wie man damit umgeht. Wir sprachen auch über das gesellschaftspolitische Problem von verschuldeten und überschuldeten Staaten und was das für europäische, steuerszahlende Bürger bedeutet.

Das hat mich veranlasst, hierzu einige Kernüberlegungen anzustellen, die uns eigentlich alle betreffen. Umso mehr als auch viele selbständig arbeitende Einzeldienstleistende – wie Coaches, RechtsanwältInnen, MediatorInnen, GrafikerInnen, JournalistInnen – alltäglich von diesen Fragen betroffen sind, wie ich in meiner Coaching-Praxis immer wieder erfahre.

Abhängigkeit entsteht durch Mangel und Verbrauch auf Kredit

Wenn jemand einen Menschen von sich abhängig machen will, dann wird er zuerst herausfinden, was der andere braucht aber nicht hat. Er wird den Mangel entlarven.

Wenn du etwas hast, was der andere braucht, aber ohne dich nicht mühelos bekommen kann, kannst du ihm sagen: ich habe das was du brauchst, aber ich gebe es dir nur, wenn du mir etwas dafür gibst, was ich haben will. Und zwar nicht genauso viel, sondern etwas mehr. Das lernt man im ersten Semester des Betriebswirtschaftsstudiums.

Gewinn ist etwas mehr bekommen, als man gibt. Also nicht do ut des (lat. Ich gebe damit du gibst), sondern: ich gebe dir etwas und du gibst mir etwas mehr zurück, als es eigentlich wert ist. Tust du das unter Ausnutzung eines dringenden Mangels des anderen, der unter Druck ist, kann das als Machtausübung verstanden werden.

Wie Geld in die Abhängigkeit führt

In der Regel wird das heute im großen Maße und gesellschaftlich akzeptiert mit Geld gemacht. Du willst etwas haben, hast aber nicht genug Geld dafür? Ich gebe dir das Geld, soviel du willst und du gibst mir dafür das Geld mit Zinsen zurück und zur Sicherheit gibst du mir noch dein Haus oder deine Lebensversicherung. Ich gebe dir Geld für einen netten Konsum, den willst du doch, oder?

Erfülle dir doch einen Wunsch! Gönne dir eine Kreuzfahrt, ich leihe dir das Geld dafür. Kein Problem. Wie viel willst du haben? Du bist angestellt, hast einen festen Job? Prima, dann kann ich dir Ratenzahlung einräumen. Hier hast du eine schöne goldene Plastikkarte. Kauf dir, was du willst und ich ziehe dann einfach die Raten von deinem Konto ein. Du hast doch einen kleinen Überziehungskredit bei deiner Bank, nicht wahr?

Also hast du von diesem netten kleinen Sonderkredit auf deine schöne goldene Plastikkarte etwas Nettes gekauft und das ist bald verbraucht. Die Kreuzfahrt liegt nun schon einige Zeit zurück, das auf Raten gekaufte Sofa hat schon Flecken, das neue Smartphone hast du leider verloren oder es ist dir gestohlen worden – aber du zahlst immer noch die Raten ab.

Jetzt kommt etwas Unvorhergesehenes dazwischen, eine unerwartet hohe Stromnachzahlung vom letzten Jahr, eine unabwendbare Autoreparatur und oh je: der Dispo ist überzogen. Und die Ratenzahlung dauert noch eineinhalb Jahre!

Jetzt verstehst du, wenn du dir etwas ausleihst, was du nicht hast, wenn du etwas brauchst, aber es nicht ohne Not zurückgeben kannst, wenn du schon Schulden hast, und mehr Schulden machst, um Zinsen und Raten zu tilgen, wenn du anfängst, Löcher zu stopfen, indem du mehr Geld borgst, um Zinsen und Raten und den normalen Lebensbedarf zu zahlen, um Konsum zu finanzieren, wirst du immer abhängiger.

Ganze Staaten geraten in Abhängigkeit

Auf diese Weise werden nicht nur einzelne Menschen oder Familien, sondern auch Unternehmen und ganze Staaten abhängig gemacht. Es fängt damit an, dass Geldgeber, Banken, Finanzinstitute, Kreditgeber großzügig Kredit anbieten und vergeben. Diese Kredite verführen den Geldnehmer dazu, mehr Geld auszugeben, als er zur Verfügung hat oder regelmäßig einnimmt. Entfallen dann erwartete Einnahmen, gerät der Kreditnehmer in Schieflage.

Wenn reiche Staaten die Macht über andere kleinere, weniger erfolgreiche Staaten übernehmen wollen, vergeben sie Kredite. Von diesen Krediten kann der kreditnehmende Staat Waffen, Autos und andere Produkte des kreditgebenden Landes kaufen. Werden die Kredite als Investition in die Leistungsfähigkeit und den Aufbau eines schwächeren Staates eingesetzt, so kann die zeitweilige Abhängigkeit durch Verschuldung überwunden werden.

Wird der Kredit jedoch in Verbrauch oder zu eigenen Zwecken und persönlicher Bereicherung der politischen Staatsführer und zu einem zu hohen Schuldendienst verwendet, so kommt das Land in große Not. Das Schicksal Griechenlands ist ein Paradebeispiel dafür.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit von immer weiteren Krediten zur Tilgung der Schuldenlast führt in den Verlust der Souveränität. Demokratie ist nur noch eine Worthülle für so einen Staat. Geld wird in diesem Sinne ein Machtmittel zur Unterwerfung, das nicht dem Ganzen, sondern nur einigen Bevorzugten dient. An diesem System leidet das Vertrauen in unser gegenwärtiges Europa.

Geld als Waffe

In einem Interview der Zeitschrift „Der Spiegel“ (Nr. 26/23.6.2018) sagte der gegenwärtige (rechtspolitische) Innenminister von Italien, Matteo Salvini: „Der Euro ist eine Waffe im Krieg. Kriege können mit Bomben oder Währungen geführt werden; begonnen habt diesen Krieg ihr
Deutschen, denn der Euro nützt euch und niemandem sonst.“ So seine Perspektive, die auch von anderen Europäischen Staaten geteilt wird.

Wie Geld als „Waffe“ und Instrument von Staaten und weltweiten Konzernen genutzt wird, um aus Abhängigkeiten große Gewinne zu erzielen, ist auch das Thema von Jean Ziegler, UN Menschenrechtsberater und Autor zahlreicher Bücher, zum Beispiel in seinem Buch „Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher“ (Bertelsmann, München , 2003) oder „Wir lassen sie verhungern : Die Massenvernichtung der dritten Welt“ (Bertelsmann, München 2012), und andere, in der der systematische Ge- oder Missbrauch von Geld als „Waffe“ deutlich wird.

Ist Geld schlecht?

In meinem letzten beyourself! Life in Balance Seminar auf Samos haben wir abends beim Dinner viel über Europa- und Weltpolitik gesprochen. Wir sind ein Teil davon, wir leben in diesem kollektiven System. „Geld ist schlecht!“ ist das Résumé und die Überzeugung so mancher meiner Coachees. Und natürlich: wer Geld ablehnt hat auch keins. Jedenfalls nicht „genug“.

In einem meiner Work Life Balance Seminare erörterten wir unter anderem den Druck, den eine Teilnehmerin erlebte, die sich Monat für Monat mit einer befristeten Teilzeitbeschäftigung und einer weiteren selbständigen Beratertätigkeit abrackert, um ihre Lebenshaltungskosten als allein erziehende Mutter mit zwei Kindern aufzubringen:

Miete, Krankenversicherungen, Strom, Wasser, Telefon, monatliche Dispositionskreditkosten, usw. belaufen sich dauerhaft auf einen höheren Betrag, als sie monatlich einnimmt, sodass zum Beispiel auch an ein Ansparen einer Alterssicherung nicht zu denken ist. Und jede Sonderausgabe über Festkosten und Lebensmittel hinaus stellt eine echte Herausforderung dar.

Geldmangel erzeugt Stress

Dieses Schicksal an fortdauerndem Geldmangel – ein enormer Stress-Faktor – teilt meine Coachee mit sehr vielen Selbständigen, BeraterInnen und auch Coaches. Selbständig geworden, nachdem sie von dem Großunternehmen, in dem sie viele Jahre angestellt war, im Zuge von „Personaleinsparungsmaßnahmen“ – auf Empfehlung von gut verdienenden Beratern – gekündigt worden war.

Geldüberzeugungen

Wir alle sind voll von mehr oder weniger unbewussten Geld-Überzeugungen und viele davon sind nicht hilfreich. Schreib nur einmal auf einem Blatt Papier spontan, schnell und ohne lange nachzudenken auf, was du über Geld denkst. Tu es, jetzt!

Welche Geld-Überzeugungen haben sich in unserem kollektiven und individuellen Bewusstsein verfestigt? Ist das wirklich wahr, dass Geld „schlecht“ ist, dass Geld „die Welt regiert“, dass „Geld stinkt“, dass Geld „zu Lug und Trug verführt“?

Ist es das Geld, das Menschen schlecht handeln lässt – oder sind es die Menschen, die mit Geld schlecht handeln, die Geld als „Waffe“ missbrauchen? Oder sind es Denk- und Verhaltensweisen von Menschen, die Geld benutzen, zum Guten oder zum Bösen, für das eine oder für das andere?

Überzeugungen wie „Ich habe kein Geld“ und „Ich habe keine Zeit“ (Ist das WIRLICH WAHR?) erschaffen ein Erleben von Stress, das eine Abwärtsspirale in Gang setzt: kein Geld, also mehr arbeiten, keine Zeit, also mehr Fastfood und Zwischendurch-Naschereien, schlechte Verdauung, mehr Infektionsanfälligkeit, keine Zeit für Bewegung.

“Hilfe: ich werde immer dicker, meine Kleidung passt nicht mehr!“- „Zu wenig Geld für vernünftige Kleidung, also Billigkleidung von H&M, Kik oder C&A, Billignahrung von Penny, Netto, Aldi oder Lidl.“ Und dann kommt noch der erhobene Zeigefinger der Krankenversicherungen und der Medien dazu: „Die Deutschen werden immer dicker!“

Mir liegt nichts daran, Menschen von meinen Geld-Überzeugungen zu überzeugen. Mir liegt aber sehr viel daran, Menschen zu mehr Bewusstsein zu bewegen. Ich möchte, dass Menschen sich immer wieder fragen: Welche Überzeugung habe ich darüber? Zum Beispiel: Welche Überzeugungen, Urteile und Bewertungen habe ich zu dem Begriff: „Geld“?

Ein gesunder Umgang mit Geld

Wie können wir mit Geld so umgehen, dass es uns weniger Stress macht? Geldmangel ist ein auch Disziplinierungsinstrument. Geldmangel macht Menschen Stress. Der Zwang, wegen stetig steigender Kosten, Mietsteigerungen, Stromkostensteigerungen, Lebenshaltungskostensteigerungen, usw., immer mehr Geld verdienen zu MÜSSEN, macht Menschen müde und erschöpft.

Aber Geldmangel kann auch kreativ und erfinderisch machen! Er kann uns dazu bringen über neue Projekte, Produkte, Ideen oder neue Lebensformen nachzudenken. Geld ist auch ein guter Grund, um über WERTE nachzudenken. Was ist in meinem Leben wirklich wertvoll? Für welche Werte will ich Geld erarbeiten und investieren? Wie kann ich mit Geld SINN-voll umgehen?

Auf wie viele Dinge können Menschen verzichten, die „man“ in unserer deutschen Leistungsgesellschaft glaubt haben zu müssen – und trotzdem glücklich oder zufrieden sein? Wie viel Konsum, welche Statussymbole brauchen wir wirklich und wo und wann und wie kann weniger mehr sein?

Wie viele Menschen gibt es, die weit mehr als genug Geld haben und trotzdem nicht zufrieden sind? Zweifellos macht Geldmangel, vor allem dauernder Geldmangel unglücklich. Aber Geldfülle an und für sich macht nicht glücklich. Wer viel, viel mehr Geld als das Notwendige hat, wird durch stetige Manipulationsbemühungen, durch stetige Werbung, durch so manchen „Finanzdienstleister“ verführt, Geld für sinnlose und eigentlich überflüssige Dinge auszugeben.

Geldbewusstsein macht frei

Geld ist nicht verantwortlich dafür, dass wir Menschen glücklich, gut oder böse sind. Unser Bewusstsein oder vielmehr unser Nicht-Bewusstsein und die daraus resultierende Haltung ist verantwortlich dafür, wie wir uns fühlen und wie wir leben. Und wie wir Geld bewerten und es handhaben. Unbewusst sein ist ein Schwamm für Indoktrinierungen, die uns nicht gut tun. Unbewusst sein ist der Stoff, mit dem man Menschen auch dazu verführen kann, Geld falsch einzuschätzen und einzusetzen.

Wie können wir mit dem Geld, das wir haben, anders umgehen? Wer wenig, sehr wenig Geld hat, fühlt sich versklavt und kauft die billigen Produkte. Und dennoch: Wenn Geld eine „Waffe“ ist, wie ein Messer, so kann ich dieses Werkzeug zum Verletzen und Töten benützen oder, um damit Brot zu streichen, Obst zu schälen oder Dinge zu schnitzen.

Wie gehe ich mit Geld um?

Mit Bewusstsein kann ich untersuchen und verstehen: Wie benutze ich Geld? Wie viel Geld gebe ich für was aus? An welcher Stelle kann ich für mich und meine mir lieben Menschen mehr persönliche Freude einbauen? Und muss diese Freude unbedingt Geld kosten?

Wie kann ich sogar eine notwendige Ausgabe mit Freude, Wertschätzung oder Dankbarkeit erfüllen, sodass mir die Bezahlung keine Stressgefühle bereitet? Wie kann ich energieraubende Geldüberzeugungen ändern? Wie kann ich verhindern, dass ich mich dazu verführen lasse, Geld falsch zu investieren oder falsch zu benutzen?

Wie kann ich einen neuen wertschätzenden Umgang mit Geld in meinem persönlichen Leben verwirklichen? Wie sollte mein Bewusstsein zu Geld beschaffen sein, damit Geld sich bei mir wohlfühlt und sich nicht von mir abgestoßen fühlt?

Finde es heraus!

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