Kolumne Cornelia Harms

Kolumne #001 – Frühlingsbeginn mit Gegenwind oder wie ich lernte, mich tragen zu lassen

Um mich herum stürmt es. Eine ungewöhnliche Mischung ist das heute: Sonnenschein und klarer blauer Himmel, dazu ein heftiger Sturm. Ich hole meine Kinder mit dem Fahrrad von der Schule ab. Macht mir nämlich viel mehr Spaß, mich an der frischen Luft zu bewegen, als ständig im Auto zu sitzen.

Auf dem Rückweg kämpfen wir gegen den starken Wind und kommen kaum voran. Ab und zu erwischt uns eine so intensive Böe, dass wir förmlich stehenbleiben mit unseren Rädern.

Der Wind räumt ordentlich auf: alles, was alt ist und nicht mehr passt, weht er von den Bäumen und Büschen. Die frischen Blüten, die überall sprießen, verschont er. Nur alte, vertrocknete Äste fallen ihm zum Opfer.

Das ist ein bisschen, wie es uns auch im Frühling geht, finde ich. Ganz besonders in diesem Frühling 2018, nach einem so langen, dunklen, transformierenden Winter.

Alte, vertrocknete Dinge fallen von uns ab. Dinge, die nicht mehr zu uns gehören. Unnütze Glaubenssätze, überholte Erfahrungen, alte Muster. Alles, was einfach nicht mehr zu uns passt.

Wenn wir dafür offen sind, darf Neues sprießen: wir verlassen unsere Komfortzone und probieren neue Verhaltensweisen aus. Erinnern uns an alte Wünsche und setzen diese in die Tat um. Sind wieder ein ganzes Stückchen gewachsen innerlich und bringen dies in die Realität. Wir blühen im wahrsten Sinne auf wie die wunderbaren Büsche und Bäume da draußen.

Ich sag Dir eins: was ich nun ganz sicher hinter mir lasse, ist dieses uralte Gefühl des Allein-Seins. Den Glaubenssatz, immer alles alleine schaffen zu müssen. Und die komische Denke, dass ich mich verbiegen müsse, um dazu zu gehören.

Denn ich weiß endlich, dass ich nicht allein bin. Dass ich nie getrennt war. Das habe ich nun nicht nur im Kopf verstanden, sondern endlich auch gefühlt. So ist es wirklich in mir angekommen.

Ich habe ganz lange einfach immer nur in die falsche Richtung geschaut. Hatte vergeblich gebeten um Anerkennung und Wertschätzung von denen, die sie mir eh nicht geben wollten oder konnten. Da fühlte ich mich natürlich allein auf weiter Flur.

Und dann habe ich mich einfach mal umgedreht. Die Menschen entdeckt, die sich freuen, wenn ich Teil ihrer Gemeinschaft bin. Die meine Angebote der Unterstützung gerne annehmen. Die sich freuen, wenn ich da bin und gerne Zeit mit mir verbringen.

So einfach ist das. Ich habe mich einfach nur mal innerlich umgedreht. Und plötzlich alles entdeckt, was vorher außerhalb meines Sichtbereiches lag. Denn egal, wie beweglich ich auch bin: nach hinten kann selbst ich nicht sehen. Und weißt Du was? Es gefällt mir sehr, was ich da entdeckt habe! Lauter nette, wunderbare Menschen! Ein liebevolles Miteinander. Anerkennung und Wertschätzung. Hier bin ich einfach ok so, wie ich bin.

Wir sind auf unserem Weg nach Hause, die letzte Kurve liegt vor uns. Wir biegen mit unseren Rädern um die Ecke. Plötzlich kommt der starke Wind von hinten. Er trägt uns und schiebt uns an, wir fliegen geradezu federleicht nach Hause.

Endlich fühlt sich der Weg leicht an. Getragen. Im Fluss des Lebens. Schöner könnte es nicht sein.

Und mit diesem leichten Schwung und einer großen Lust auf Neues starte ich nun diese brandneue Kolumne hier. Mal sehen, wohin es uns trägt…

Deine Cornelia

 

 

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