Die Welt dreht sich nicht ohne mich

„Ohne mich ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.
Ich bin die einzige Wissensträgerin.
Es gibt niemanden, der das sonst tun kann“

Ich bin unersetzlich!

So, oder so ähnlich war mein Credo in der Zeit, als ich mich auf den Weg machte genauer zu erforschen, was Stress mit meinem Körper, mit meiner Psyche und mit meinem Beziehungen macht. Mein Selbstversuch endete in einer Burnout Klinik.

Ich war schon ein paar Jahre in meinem Unternehmen und hatte lange auf die Gelegenheit gewartet, mein Können unter Beweis zu stellen. Endlich war ich Projektleiterin in einem politisch brisanten Projekt. Die abgeschätzten Aufwände waren utopisch. Die Vertragsstrafen waren hoch, falls wir die Fristen nicht einhielten.

Zudem mussten wir mit einer völlig neuen Software arbeiten, mit der sich kaum jemand auskannte. Ein Kollege, der sich bereits mit ihr befasst hatte, sagte mir, sie sei „bescheiden“. Eine Aussage, die in Anbetracht der Umstände nicht wirklich hilfreich war.

Ich bin unersetzlich!

Ich machte das Design der Applikation, war Projektleiterin, Berater des Kunden in allen fachlichen Fragen und hatte ein elfköpfiges Entwickler-Team unter mir. Nebenbei übernahm ich noch diverse andere Jobs.

Alles, was so liegen blieb und dringend gemacht werden musste, habe ich erledigt. Egal ob es die Dokumentation war, ein Bug der gefixt werden musste oder organisatorische Aufgaben. Selbst vor den Aufgaben des Projektleiters auf Kundenseite und des Herstellers habe ich nicht halt gemacht.

Es gab einfach niemanden, der auch nur einen annähernd umfassenden Überblick über das Projekt hatte wie ich:

„Ohne mich läuft es nicht!“

Ich war wichtig und unersetzlich!

Wir alle mögen es uns wichtig zu fühlen, dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden. Bei mir jedoch hing mein Selbstwert an der Anerkennung von außen, und somit wurde die Sache sehr schnell ungesund. Ich machte mein Wohlergehen abhängig vom anderen Menschen und gab ihnen somit die Macht über mich.

Wo bist du unersetzlich?

Was sind die Aufgaben in deinem Leben, in die du mehr Energie steckst, als du zur Verfügung hast? Für welche Bereiche glaubst du, dass die Welt sich ohne dich nicht weiter dreht?

  • Macht deine Arbeit keiner so gut wie du?
  • Bist du die einzige Person, die einen umfassenden Überblick über das Projekt hat?
  • Fährt dein Projekt an die Wand, wenn du nicht jeden Tag 12 Stunden auf der Matte stehst?
  • Geht nichts weiter, wenn du zu Hause krank im Bett liegst?
  • Kontaktieren dich deine Mitarbeiter auch im Urlaub?
  • Deine Kinder kann keiner so gut versorgen wie du selbst? (Dieser Glaubenssatz ist meist sehr weiblich ;-))
  • Oder ist es etwas ganz anderes?

Warum habe ich das getan?

Während meiner Auszeit habe ich mich immer wieder gefragt, warum ich all die Überstunden geleistet habe und meine Gesundheit, meine Beziehung, meine Freunde so mit Füßen getreten habe.

Ich habe meine Überstunden nicht bezahlt bekommen. Es war auch niemand mit der Peitsche hinter mir gestanden und hat mich angetrieben. Was war es dann?

Die inneren Antreiber

Heute weiß ich, dass es nicht primär das Projekt oder meine Loyalität zu meinem Unternehmen war. Menschen handeln immer nach ihrer besten Option. Das heißt, dass unser Verhalten für uns immer einen Nutzen hat und ich wollte anerkannt und gesehen werden.

Mein Treiber war: Mach es jedem recht. Und darin war ich richtig gut. Die Projekt-Mitarbeiter meines Kunden wussten, dass sie immer sofort eine zufriedenstellende Antwort bekamen, wenn sie sie ihre Anfrage an mich richteten, anstatt prozesskonform an den Projektleiter des Kunden oder an den Hersteller der Software.

Ich wurde gesehen, mein Wissen wurde wertgeschätzt und meine Kunden mochten mich sehr. Und damit habe ich nicht nur meine Beliebtheit gesteigert, sondern auch die Anzahl meiner Mails und die Anzahl meiner Aufgaben.

Was sind deine Treiber?

Was treibt dich an immer wieder dazu, über deine Grenzen zu gehen? Was ist dein Gewinn an der jetzigen Situation?

  • Willst du allen gefallen und anderen beweisen, was in dir steckt?
  • Glaubst du, dass deine Arbeit nur etwas wert ist, wenn du dich richtig angestrengt hast?
  • Kannst du Hilfe annehmen oder machst du lieber alles alleine?
  • Hast du wenig Geduld und permanent das Gefühl du musst dich beeilen? Du willst am liebsten, dass immer alles sofort erledigt ist?
  • Möchtest du am liebsten alles perfekt machen? Du hast das Gefühl, dass du mit deinen Aufgaben nie fertig wirst, da immer noch etwas fehlt, um deinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden?

Und die Welt drehte sich weiter ohne mich

Was soll sich sagen. Zu meiner großen Überraschung hat sich die Welt nach meinem Zusammenbruch weitergedreht. Ein neuer Projektleiter hat das Projekt übernommen. Das Projekt wurde zu Ende gebracht, auch ohne mich und ohne mein Wissen.

Auch als ich 7 Wochen in der Klinik war, hat sich die Welt weitergedreht. Das einzige, was mich noch eine Weile begleitete, waren die Schäden, die ich meinem Körper und meiner Seele durch all den Stress zugefügt habe.

Es gibt kein Ende

Ich hatte damals das Gefühl, ich muss das immer weiter machen. Eine Therapeutin hat mir damals die Frage gestellt: „Was passiert, wenn du aufhörst zu kämpfen?“ Meine Antwort war damals: „Dann schwappt alles wie eine große Welle über mich und ich ertrinke.“

Sie hat mich gebeten diese Vorstellung in Gedanken zu zulassen und zu schauen was passiert. Das habe ich getan. Ich habe losgelassen, die Welle kam, schwappte über mich und… es passierte nichts….Oder doch? Da war Erleichterung.

Ich musste nicht mehr kämpfen. Mein ganzer Körper entspannte sich. Und siehe da ich konnte Atmen und es umspülte mich angenehm warmes Wasser und ich saß nach wie vor entspannt auf meinem Stuhl und alles war gut.

Was passiert wenn du aufhörst zu kämpfen?

  • Was passiert, wenn du das, was dich stresst loslässt, wenn du einfach mal nicht mehr funktionierst?
  • Welche Bilder, Filme bzw. Vorstellungen entstehen in deinem Kopf?
  • Wo bricht dein Film ab?
  • Was passiert, wenn du den Film einfach weiterlaufen lässt?
Oft verschwinden Ängste von ganz allein, wenn wir zu Ende denken. Klick um zu Tweeten

Dreht sich die Welt auch ohne dich?

Versuche ganz ehrlich mit dir selbst zu sein. Und beantworte dir die folgenden Fragen. Und denke bis zum Ende.

  • Was passiert, wenn du aufhörst zu funktionieren, wenn du aufhörst zu kämpfen?
  • Was passiert, wenn du dir eine Auszeit nimmst, wenn du andere die Verantwortung übernehmen lässt?
  • Was passiert, wenn du Hilfe annimmst?
  • Was passiert, wenn du deinem Körper und deinem Geist tatsächliche Ruhe gönnst?
  • Was passiert, wenn du dir erlaubst, schwach zu sein?

Was ist wirklich wichtig?

Heute ist mir bewusst, dass wir nur auf ein zufriedenes und glückliches Leben zurückschauen können, wenn wir unseren eigenen Werten folgen und nicht die Anerkennung anderer Menschen suchen.

Nur wenn wir wissen, was uns wirklich, wirklich wichtig ist, können wir uns selbst anerkennen und unseren Weg mit Freude, Erfolg und Leichtigkeit gehen.

Das Leben ist schön.

Alles Liebe

 

Silke

Written by 

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One thought on “Die Welt dreht sich nicht ohne mich

  1. Eine sehr offene Schilderung der eigenen Erlebnisse aus einer schwierigen Zeit.

    Die formulierten Fragen sind sehr gut, da kann ich einige nicht auf Anhieb beantworten und regen sehr zum Nachdenken und Reflektieren an.

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