Erfolgreich in meinem Tempo

Vor einem Jahr habe ich Christina Emmer über ihre tolle Challenge kennenlernen dürfen. Viele gute Blogs haben mein Denken in und über meinen Beruf ein wenig ins Wanken gebracht:

  • Will ich das wirklich, was ich da mache?
  • Will ich mich nicht auch verändern? Ich mache das doch schon sooo lange?
  • Sollte ich mich nicht endlich besser positionieren und was ist das überhaupt?

Mein Weg

Seit 30 Jahren habe ich eine sehr gut laufende Ganzheitliche Nachhilfeschule mit Sport, Spaß, Coaching und natürlich Nachhilfe. Mein Konzept ist aufgegangen: Ich bin Jahr für Jahr gut ausgebucht. Weiterbildungen als Dipl.ADS-Coach, eine Ausbildung zum CQM-Coach, um nur einen kleinen Teil meines Bauchladens aufzuführen (ich möchte euch ja nicht langweilen) veränderten jedoch mein Bild zur Nachhilfe.

Ich wollte plötzlich auch die Mütter mit ins Boot nehmen. Denn wer ist es denn, der mit seinen Kindern täglich die Sorgen um die Schule teilt, wer ist es denn, der mit den Kindern büffelt, wenn eine Probe ansteht oder tröstet, wenn irgendetwas schiefgelaufen ist?

Mir ist außerdem aufgefallen, dass wir immer mehr Helikopter-Kinder haben. Überverwöhnte Kinder von zu weichen Eltern, die glauben, dass Ihre Kinder sie lieben müssen und dafür alles tun, damit es von Seiten der Kinder keinen Liebesentzug gibt. Das ist anstrengend für beide Parteien. Ich hatte also eine Mission und Vision:

Ich erstelle jetzt ein Online Training!

Inspiriert von den Coaches, die es schon geschafft haben, in die mediale Welt abzutauchen, wollte ich, als zertifizierte Elterntrainerin ein Internet-Elterntraining anbieten. Somit stand da nur die Hürde, das Ganze in eine Form zu bringen, um es vermarkten zu können.

Gesagt getan. „Man muss ja nur ein Ziel haben, dann kommt der Rest schon“, dachte ich. Ich habe mir selbst auch einen Coach geleistet, der mich auf diesem Weg begleiten sollte und dann auch viele Dinge aus mir herauslocken konnte, die ich alleine so schnell nie hinbekommen hätte.

Alles schien glatt zu laufen

Die Hürde, das „Nur“ haben wir auch gelöst, indem ich den Auftrag bekam, mir dafür eine geeignete Person zu suchen. Hat auch geklappt. Plötzlich bekam ich die Adressen, die mir fehlten und ein Kameramann stand einen ganzen Tag lang mit mir in meinem Büro und filmte mich und erklärte mir ein Schneideprogramm.

Jetzt mussten eigentlich nur noch meine 12 Module für mein Programm mit Inhalt gefüllt werden – durch meine tolle Coacherin war ja alles schon in eine Form gebracht.

Der dicke Crash

Oh Schreck. Ich saß wie vor einer riesigen Legotonne mit roten, blauen, gelben Steinen und wollte diese sortieren. Hunderte von Steinen. Wie sollte das gehen? Wie sollte ich mein 30-jähriges Wissen nun strukturiert aus mir herauslocken, ohne mich dabei zu verzetteln?

Ich hatte ja noch meinen Beruf am Nachmittag mal so nebenher, meine Nachhilfe und dann am Vormittag oft ein Coaching mit Müttern. Wo sollte ich die Zeit hernehmen, um konzentriert dabeibleiben zu können?

Ich bekam ein Stoppschild in Form eines Unfalls. Was mutete ich mir da gerade zu? Auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen, wo ich mich doch endlich positionieren wollte. Nun saß ich an meinem Schreibtisch im Rollstuhl mit gebrochenem Fuß. Alle Termine wurden abgesagt. Ich war entschleunigt.

Raum für eine Testfamilie

Nun hatte ich tatsächlich etwas mehr Zeit. Ich arbeitete am ersten Modul, 6 lange Wochen von 8- 12 Uhr jeden Tag. Ein Modul. Ich hatte dazu eine Versuchsfamilie mit zwei Kindern, einer 3. Klasse und ein Mädchen im Kindergartenalter. Die Eltern waren sehr inkonsequent, Mutter genervt, die aus den Schreianfällen nicht herauskam – somit genau richtig, um mein erstes Modul zu testen.

Es sollte eine Win-Win – Situation werden. Sie bekommen meine Arbeit und bewerten alles und ich mache die Vorarbeit für sie und coache sie. Doch es kam alles anders.

Was man nicht zahlen muss, wird oft nicht wertgeschätzt. Klick um zu Tweeten

Hausaufgaben wurden schleppend erledigt. Feedbacks gab es nur Face to Face. Schriftlich bekam ich nichts. Termine wurden entweder kurzfristig abgesagt oder zum Schluss gar nicht.

So saß ich dann da und stellte mir endlich die Frage, die ich mir schon lange hätte stellen müssen:

Wozu machst du das?

An sich hatte ich eine für mein Programm geeignete Familie bekommen: Eine Familie mit so vielen Problemen, dass sie es aus eigener Kraft nicht schaffen würde. Eine Familie, die es den Kindern vorgelebt hat, bei Kleinigkeiten auszurasten, Termine und Verpflichtungen nicht einzuhalten, usw.

Will ich mir das antun? Will ich mit Menschen arbeiten, die am liebsten nur die Zauberpille möchten, aber selbst nichts verändern wollen?

Mein Entschluss fiel dann nach einem halben Jahr Arbeit ganz schnell und konsequent. Ich gab diesem Vorhaben ein Aus. Keine Angst, die bis dahin geleistete Arbeit war alles andere als umsonst: Ich habe dadurch neue Ideen bekommen, um mein Wissen in kleinen Häppchen anzubieten.

Eines weiß ich ganz genau

Ich muss bei allem was ich angehe, was mich begeistert, in meinem Fluss bleiben und nicht glauben, dass ich irgendetwas machen muss, nur weil es die heutige mediale Welt so vorlebt.

Ich bin wieder ich, ich bin wieder ausgeglichen und weiß, dass die Zeit für mein Wirken nach außen kommt – langsam, in meinem Tempo, meinem Stil, ohne Zwang, aus dem Herzen heraus und authentisch.

Oft zeigen uns negative Erfahrungen, was wir in Wirklichkeit wollen Klick um zu Tweeten

Der Unfall und die ernüchternde Erfahrung mit der Testfamilie haben mir noch deutlicher gezeigt, was ich will: Ein Schul-Lern-Coach sein, der nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern mit einbezieht und nicht mehr der „Nur-Nachhilfelehrer“.

Ich bin mir meiner Position bewusst…

Ich bin in meiner Position angekommen und mir auch bewusst, was ich bis jetzt schon geleistet habe und leisten kann, um nicht nur den Kindern bei guten Noten behilflich zu sein, sondern auch den Eltern wieder in mehr Gelassenheit und Ausgeglichenheit zu bringen.

Oft fehlt nicht nur den Kindern ein großes Paket Selbstbewusstsein, sondern auch den Eltern, die hilflos zu sein scheinen, wenn es um die Themen Disziplin, Lernverhalten, Durchsetzungskraft und Konsequenz geht. Ihnen ist nicht bewusst, wie viel sie spiegeln und aus ihrer Kindheit an ihre Kinder weitergeben.

…und auch ein wenig stolz

Selbstbewusst kann ich sagen, dass ich hier meinen Beitrag mit meiner CQM-Ausbildung leiste und erfolgreich Kinder durch die Schulzeit und Prüfungszeit bringe und umgekehrt die Eltern (hier vor allem die Mütter) in die Stärke, in die Konsequenz und in die nötige Gelassenheit.

Alles in allem eine Entwicklung, die ihre Zeit gebraucht hat und immer noch braucht. Das ist spannend mit anzusehen, so lange man sich die Möglichkeit nicht verwehrt, Neues in seinem Tempo zuzulassen.

Ein Mensch, der immer mit 300km/h durch die Welt saust, braucht ein Stoppschild Klick um zu Tweeten

Dankbarkeit

Ich bin dankbar, dass ich den Mut habe, weiterzugehen, dankbar, dass ich erkenne, wenn ich im Hamsterrad gefangen bin, dankbar, für diese Zeit, deren Schnelllebigkeit ich in der Lage bin zu steuern. Ich bin dankbar für mein Stoppschild, das mir die Augen für so viele Dinge geöffnet hat und es nach wie vor tut.

Denn ein Mensch, der immer mit 300km/h durch die Welt saust und glaubt, diese retten zu müssen, der braucht ein Stoppschild, das ihn länger in der Entschleunigung lässt, bis diese auch im Herzen angekommen ist

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Modernes ganzheitliches Nachhilfeinstitut Dipl. System Coach ADS/ADHS DGCo OPTIMIND Coach und Elterntrainer Elternberater Lifekinetiktrainer/SmoveyCoach Basefood--Ernährungsberater, damit Nahrung auch im Kopf funktioniert. Standort: Eckental

One thought on “Erfolgreich in meinem Tempo

  1. Liebe Christine,

    herzlichen Glückwunsch für diesen großen Durchbruch.
    Deine Erfahrungen kann ich auch bestätigen. Man wird jeden Tag aufs Neue darauf hingewiesen, was der eigene Weg ist und wann es von Innen nach Außen zu gehen hat. All die vielen guten Ratschläge, Trainings und Coachings sollten als gutes Rezept für das eigene Menü verstanden werden. Dann findet man seinen Lebensweg noch viel schneller.

    Viel Erfolg weiterhin
    Renate Hoffmann-König

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