Ungewollt kinderlos? Wege aus der Hilflosigkeit!

Vielleicht fragst Du Dich, warum ich von Hilflosigkeit spreche. Wie kann man denn beim heutigen Stand der Medizin und der vielen Möglichkeiten, die sie uns bietet, mit einem Kinderwunsch hilflos sein?  Ist man denn hilflos, wenn man keine Kinder bekommen kann? Ja, das ist man, beziehungsweise fühlt man sich so!

Ein Kind aus dem Reagenzglas?

Als wir damals von meinem Frauenarzt gesagt bekommen haben, wir können auf natürliche Weise keine eigenen Kinder bekommen, fühlte ich mich sehr hilflos. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen, kam mir vor wie ausgeliefert, weil ich mir an diesem Punkt nicht selber helfen, nichts tun konnte.

Ich sollte mit der Hilfe von Ärzten, Maschinen, Reagenzglas und einem Mikroskop schwanger werden und nicht von meinem Mann in unserem Schlafzimmer, wie es doch eigentlich sein sollte. Wir haben uns also erst einmal einen Termin zum Gespräch in einer etwas von uns entfernten Klinik geben lassen und uns dort vorgestellt. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein komisches Bauchgefühl.

Immer wieder die gleiche Prozedur

Wir mussten dann alle zwei Tage in die Klinik kommen, auch samstag, sonntags oder an Feiertagen und das meistens sehr, sehr früh am Morgen. Ich fühle mich dort wie ein Produkt auf einem Fließband; alles war so unpersönlich. Eines Tages meinte ein Arzt dann zu mir, dass meine Schilddrüsenwerte und meine männlichen Hormone zu stark ausgeprägt seien und ich, aufgrund meines Gewichtes erst einmal abnehmen müsste, bevor überhaupt was passieren konnte.

Auch wenn sich das vielleicht nicht so liest, glaube mir, die Art und Weise, wie er es sagte, war ein Schlag ins Gesicht. Generell war das Personal nicht besonders freundlich und fast jedes Mal hatte ich dort einen anderen Arzt. Daher war es einfach nicht möglich, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, was bei diesem emotionalen Thema wirklich wichtig gewesen wäre.

Ein Vertrauensverhältnis zum behandelnden Arzt ist wichtig! Klick um zu Tweeten

Mein Bauchgefühl hatte mich also nicht getäuscht – ich wusste tief in mir schon, dass es in dieser Klinik nicht klappen würde. Nur hatte ich eben Hoffnung und wollte es veruchen!

Auf ein Neues

Bald darauf haben wir eine andere Kinderwunschklinik gefunden. In der alten wollte ich nicht weitermachen und auch nicht länger Stunden im Auto verbringen. Wir haben uns also einen Termin in einer nähergelegenen Klinik geben lassen und ein Vorgespräch geführt. Dort war mein Bauchgefühl direkt anderes, der Arzt hatte alles ganz genau erklärt, er hatte uns die Räumlichkeiten gezeigt, das Labor und es war direkt alles viel freundlicher.

Der nächste Zyklus sollte es sein, wo wir beginnen, gut vorher waren noch alle Voruntersuchungen. Ich bekam mein Rezept mit und dann ging es auch schon los. Auch hier musste ich alle zwei Tage kommen, auch früh am Morgen und Sonn-und feiertags, das war mir aber egal. Das Wartezimmer war immer voll – alle Frauen und Paare wurden zur gleichen Zeit bestellt, wenn es um die Blutabnahme oder Ultraschalluntersuchung ging.

Wie auf einem Schlachthof

Obwohl ich mich in dieser Klinik aufgehobener fühlte, hatte ich im Wartezimmer auch immer das Gefühl, dass ich den Ärzten und der Technik ausgeliefert war. Schließlich wussten wir ja nie: Was passiert jetzt, wie ist die Blutuntersuchung, sind die Hormone schon so weit, oder wie sind die Eizellen, sind sie gewachsen, wie viel sind es?

Zudem kam ich mir vor wie eine Nummer, auch wenn wir wirklich das Gefühl hatten, dass die Ärzte dort für einen da sind, ging es doch bei so vielen Paaren zu, wie auf einem – entschuldige den Ausdruck – Schlachthof. An sich war es ja nicht schlecht, unter so vielen anderen Paaren zu sein; es war ein Stück weit beruhigend, dass man nicht alleine mit seinen Sorgen war.

Jeder war nur mit sich beschäftigt

Jedoch war man im Wartebereich gefühlt alleine, denn es sprach niemand, es war immer mucksmäuschenstill.  Jeder war mit sich beschäftigt, jeder hing seinen eigenen Gedanken und Gefühlen nach. Heute würde ich mir für die Paare und Frauen wünschen, dass sie offener in den Kliniken sind, mehr Gespräche führen untereinander und sich Hilfestellungen geben und Erfahrungen austauschen.

Ich kam mir so was von hilflos und ausgeliefert vor – dort und auch zu Hause. Man musste sich ja die Spritzen selber geben, in den Bauch oder in den Oberschenkel und ich war froh, dass mein Mann es gemacht hat. Ja, ich war wirklich dankbar, dass er für mich da war, denn wenn die zwei Wochen nach der Eizellen Rückführung war und der Tag  x zum Anrufen, war ich sowas von angespannt – ich wusste nicht, was ich tun würde, wenn der Test wieder negativ ausfallen würde.

Der Entschluss

Nachdem ich dann beim letzten Versuch erst „ein bisschen“ schwanger war und danach doch das Ergebnis negativ kam, bin ich in ein sehr, sehr tiefes schwarzes Loch gefallen. Mein Mann und ich haben sehr lange, sehr sehr intensive Gespräche geführt, mit vielen, vielen Tränen und dann haben wir uns zusammen entschieden, dass wir wir aufhören werden, es weiter zu versuchen und so schwer die Entscheidung auch war, es war die richtige.

Und eine weitere, sehr schwere Entscheidung mussten wir dann auch noch treffen: Wir hatten ja noch Eizellen eingefroren und mussten bestimmen, was damit passieren sollte. Glaube mir, es war die schwierigste Entscheidung von allen, sie zu verwerfen, denn mein Gewissen sagte „das sind doch schon Zellen, das könnten Deine Kinder sein“.

Das Loslassen

Wir entschlossen uns also sie in einem „Ritual“ zu begraben. Heute würde ich sagen, ich habe meine Wunschkinder „begraben“ und das war wirklich nicht einfach.

Ein Wunschkind loszulassen ist wohl die schwerste Entscheidung Klick um zu Tweeten

Ab dem Zeitpunkt als ich, oder besser gesagt wir, die Entscheidung getroffen hatten, wir unseren Gefühlen freien Lauf gelassen haben, fiel die Anspannung von mir ab, ich konnte es förmlich spüren. Mein tiefes schwarzes Loch war zwar noch tief, aber es wurde heller. Die Traurigkeit war zwar noch da, aber sie war anders: Ich war nicht mehr hilflos, ich war dem allem nicht mehr ausgesetzt und durch diese Gedanken ging es mir besser.

Wie ich mir selbst geholfen habe

Ich habe mir meinen Weg aus der Hilflosigkeit gesucht – nicht nur durch die Gespräche mit meinem Mann, die mir sehr, sehr gut getan haben – auch wenn er mit der Kinderwunschbehandlung anderes umgegangen ist als ich – sondern auch durch die Gespräche mit meinen Freundinnen und meiner Frauenärztin.

Nun habe ich noch einen kleinen Tipp, wie ich es geschafft habe, zusätzlich zu meinem Weg aus der Hilflosigkeit noch ein Ritual zu finden:

Ich habe damals angefangen, ab den ersten Momenten der Kinderwunschzeit, alles in ein Tagebuch zu schreiben. Ich habe alle Gefühle, ob es Wut, Trauer oder auch mal Fröhlichkeit war, darin niedergeschrieben. Es hat mir so gut geholfen, auch wenn ich ab und zu noch traurig bin, es vielleicht auch immer mal wieder sein werde – doch es sind immer nur Momente und diese Momente lasse ich auch zu und das darfst Du auch tun.

Gib die Hilflosigkeit ab!

Suche Dir ein sehr schönes Heft und dann schreibe alles auf, wie Du Dir die Kinderwunschzeit vorgestellt hast, wie die Behandlungen ist oder war, wie du alles empfindest oder empfunden hast. Schreibe Deine Wut, Deine Trauer, Deine Enttäuschung alle Deine Gefühle auf.

Lass alles raus, es tut gut und befreit und dann übergebe die Hilflosigkeit dem Buch.

Spreche mit einer Freundin oder einer vertrauten Person über Deine Gefühle und versuche nicht, alles mit dir selbst auszumachen! Schaue ob Du Gleichgesinnte findest! Bei Facebook habe ich eine Gruppe zum Erfahrungsaustausch gegründet „Ungewollt kinderlos, aber glücklich“

Schaue Mal, was zu Dir passt und lass es los.

Es hilft – und du bist nicht alleine!

Mach es gut

Deine Stefanie

 

 

 

 

 

Written by 

Glücklich ohne Kind – ist das möglich? Ja! Heute bin ich davon überzeugt. Doch, der Weg dahin war ein weiter. Darum ist es meine Herzensangelegenheit, Frauen zu begleiten. Frauen, die einen ausgeprägten Wunsch nach Kindern haben, aber aus unterschiedlichen Gründen kinderlos geblieben sind. Frauen sollen diesen Zustand nicht länger als Mangel erleben, sondern ein selbstbestimmtes und entspanntes Leben führen. Ich unterstütze sie auf diesem Weg. Sitzt der Kinderwunsch tief, dreht sich oft das ganze Leben um dieses Thema. Jeden Monat keimt die Hoffnung auf, dass es vielleicht geklappt hat. Und jeden Monat durchlebt man das gleiche Trauma, wenn sich der Wunsch doch nicht erfüllt. Das Leben wird getaktet und bestimmt von Terminen in der Kinderwunschklinik. Unbedachte Bemerkungen von Außen, dass man scheinbar die Karriere vorzieht oder häufige Fragen, warum man denn noch keine Kinder hat, sind sehr belastend. Irgendwann kommt der Tag, an dem man diesen Wunsch definitiv loslassen muss, weil keine Behandlung Erfolg zeigt und alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Aber loslassen ist nicht so einfach. Und es fragt sich, wann und wie ein entspannter Umgang mit dem Thema eintreten kann. Bei mir führte ein Burn-out dazu, dass ich mich endgültig lösen konnte. Und heute bin ich soweit, dass ich mein Leben genieße. Selbstbestimmt, entspannt und erfüllt auch ohne Kind. Möchtest auch Du Deinen Weg finden? Standort: 57555 Mudersbach

2 thoughts on “Ungewollt kinderlos? Wege aus der Hilflosigkeit!

  1. Liebe Stefanie,

    vielen Dank für deine offenen Worte. Matthias und ich habe auch eine jahrlange Kinderwunschbehandlung hinter uns. Und ich werde nie vergessen, als mir nach der vierten ICSI klar war, dass es an der Zeit ist zu akzeptieren, dass wir niemals ein gemeinsames Kind haben werden. Der Schmerz war so heftig, dass ich mich nur von einem Atemzug zum nächsten hangeln konnte. Aber dann kam die Freiheit… Der Ausbruch aus dem Kreislauf von Hoffnung und Enttäuschung, vom Auf und Ab der Gefühle.
    Wir sind nicht kinderlos, da ich bereits eine Tochter hatte und nun unser Enkel unser Leben verzaubert. Dennoch weiß ich um dem Schmerz und ich danke Dir, dass Du Frauen unterstützt in diesem schweren Prozess.

    Liebe Grüße

    Dee

    1. Liebe Dee,

      vielen Dank für Dein lieben Kommentar.

      Ja, es ist echt heftig nach jedem Versuch ein negativ zu erfahren, ich kann mir auch gut vorstellen wie Du Dich gefühlt hast.

      Schön das Du Deine Freiheit wiedergefunden hast.
      Genieße die Zeit mit Deinem Enkel.

      Ich möchte den Frauen helfen wieder in die Leichtigkeit zurück zu finden, damit sie wieder entspannt Leben können, das ist mein Herzensthema.

      Lieben Gruß
      Stefanie

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