Vier Schritte, mit denen du deine Emotionen steuern kannst

Es ist immer eine spannende Frage, wie wir mit unseren Emotionen umgehen sollen. Vor allem mit denen, die wir eigentlich nicht haben wollen: Angst, Wut, Trauer, Aggression, Verzweiflung oder sogar Panik. Es gibt eine schier endlose Liste an ungeliebten Gefühlen, die wir eigentlich am liebsten wegzaubern würden.

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Manchmal werden wir von heftigen Gefühlen geradezu überrollt und haben das Gefühl, nichts dagegen tun zu können. Wir steigern uns hinein und verlieren uns darin irgendwann selbst.

Wir alle besitzen diese „Roten Knöpfe“, die nur gedrückt werden müssen-  und schon gehen wir in die Luft! Verschiedenste emotionale Reaktionen auf bestimmte Auslöser haben sich über Jahrzehnte bei uns eingeschliffen.

Wir alle gehen unterschiedlich mit Emotionen um

Der eine lässt seinen Emotionen freien Lauf; flippt aus, weint oder schreit. Der andere versucht sie zu verdrängen und zittert innerlich, während er versucht, nach außen den Schein zu wahren. Der Dritte versucht zwanghaft, positiv zu denken und redet sich ein, dass alles doch gar nicht so schlimm sei.

Oder wir flüchten und laufen einfach davon, sobald Emotionen in einer Situation die Überhand gewinnen. Jeder besitzt seine eigene Strategie, mit ungeliebten Gefühlen umzugehen. Ein alternativer Weg, den ich dir heute vorstellen möchte ist der Weg der Achtsamkeit. Dabei geht es darum, sich Gefühlen bewusst zu stellen und sie wahrzunehmen, ohne zu flüchten oder zu kämpfen.

Achtsamkeit als Weg, mit Gefühlen umzugehen

Mittlerweile haben die Forschung und auch die Praxis eindrucksvoll beweisen können, dass dies ein effektiver Weg ist, um langfristig und nachhaltig eine Veränderung im Gehirn und im eigenen Verhalten zu erzeugen. Die Vorgehensweise dafür möchte ich dir jetzt vorstellen:

Der erste Punkt ist Wahrnehmen. Zunächst dürfen wir die Situation wahrnehmen. Nicht analysieren, einfach nur wahrnehmen. Teilnehmer meiner Seminare äußern an dieser Stelle häufig, dass Wahrnehmen ja einfach sei: „Ich spüre es sofort, wenn ich in einen unangenehmen Gefühlszustand bin.“

Wann genau spüren wir etwas?

Jede Emotion folgt einer aufsteigenden Kurve. Spüren wir sie schon bei den ersten feinen Nuancen oder erst, wenn der Sturm schon wütet? Manche Gefühle steigen bei einem selbst langsam, manche schneller.

Die Frage ist also nicht, ob wir es Wahrnehmen, sondern an welchem Punkt. Um bereits die ersten kleinen Regungen wahrzunehmen, müssen wir unsere Wahrnehmung stärken und ein Bewusstsein dafür entwickeln.

Haben wir die Emotion wahrgenommen, egal ob stark oder leicht, folgt der zweite Schritt: Akzeptieren. Damit haben die meisten Teilnehmer zunächst ein Problem. Denn niemand will akzeptieren, was er eigentlich verändern möchte.

Akzeptanz bedeutet, die Dinge so zu betrachten, wie sie nunmal sind. Nicht mehr und nicht weniger. Klick um zu Tweeten

Es ist wichtig hier zu verstehen, dass Akzeptanz nicht gleich Hinnehmen ist, sondern die Dinge so zu betrachten, wie sie nun einmal in diesem Moment sind. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Emotion ist sowieso schon da

Die Sache ist doch die: Die Emotion ist sowieso schon da. Warum ihr dann nicht erhobenen Hauptes in die Augen sehen. Dadurch schaffen wir es Schritt für Schritt, die eingefahrenen Automatismen des Ausweichens, Verleugnens oder Verdrängens zu durchbrechen.

Unser Wunsch, dem Unangenehmen zu entkommen und es schnellstmöglich loszuwerden, ist normal. Wenn wir jedoch flüchten, bleibt alles beim Alten oder wird noch schlimmer, weil wir uns weiter negativ konditionieren. Entscheiden wir uns hingegen, unsere Emotionen zu akzeptieren, ihnen ins Gesicht zu sehen, gewinnen wir die Möglichkeit, nicht länger Sklave sondern Herr über sie zu werden.

Es gibt nichts zu bekämpfen

Dies setzt aber unabdingbar voraus, dass wir unsere Emotionen, egal wie unangenehm diese auch sein mögen, erst einmal akzeptieren und aufhören, gegen etwas zu kämpfen, wo es nichts zu bekämpfen gibt.

Ganz wichtig: Wenn ich hier von Akzeptieren spreche, beziehe ich mich auf die eigenen Emotionen und unseren inneren Zustand. Das hindert uns nicht daran, Konflikte im Außen zu lösen!

Wir müssen handeln, wo gehandelt werden muss. Jedoch nicht aus einem emotional aufgeladenen Zustand heraus sondern bedacht, gelassen und mit einer Klarheit, die wir nur gewinnen, wenn wir unsere Emotionen akzeptieren!

Gefühle einfach beobachten

Nach erfolgreichem Akzeptieren folgt der dritte Punkt, das Beobachten. Das wird von vielen zunächst als schwierig wahrgenommen: Wir fühlen uns in emotionalen Situationen oft unwohl und wollen „da raus“. Wenn wir diesen Punkt jedoch genau betrachten, ist Beobachten gar nicht so schwer. Denn: Je stärker die Emotion, desto leichter fällt es uns, sie zu beobachten, weil diese ja deutlich präsent ist.

Was bei starken Emotionen tatsächlich schwierig ist, ist sie zu verdrängen. Wir nehmen sie als schwer auszuhalten wahr, weil wir bisher gewöhnlich versucht haben, starke (negative) Emotionen zu verdrängen. Und wenn wir versuchen etwas so präsentes zu verdrängen, wird eine enorme innere Spannung erzeugt, die wir dann kaum aushalten können.

Je stärker die Emotion, desto leichter fällt uns das Beoachten Klick um zu Tweeten

Da wir die Emotion akzeptiert haben, können wir sie nun beobachten. Auch wenn es unangenehm ist! Dabei dürfen wir zwei Dinge beobachten:

  1. Unseren Körper: Vielleicht verkrampfen sich unsere Muskeln? Wie verändert sich die Körperhaltung? Schlägt das Herz schneller oder beginnen wir zu schwitzen?
  2. Unsere Gedanken: Welche Gedanken haben wir bei den ungeliebten Emotionen? Verurteilen wir uns innerlich selbst? Kreisen unsere Gedanken darum, schnell von der Situation wegzukommen oder suchen wir die Schuld für unsere Emotionen bei anderen?

Emotionen sind ein spannender Weg, sich selbst zu erkunden

Unsere Aufgabe besteht also darin, das Gefühl wahrzunehmen und gleichzeitig die eigenen körperlichen Rektionen und Gedanken dazu einfach nur zu beobachten! Gelingt uns das kommt der vierte Schritt automatisch: Erkennen.

Dieser Schritt ist der schönste. Zu erkennen, dass Emotionen nicht dauerhaft sind. Wenn wir sie nur lange genug beobachten, erkennen wir die wahre Natur unserer Gefühle. Und diese ist, wie alles auf dieser Welt: Sie kommen und gehen. Wie Wolken am Horizont, die sich zu einem Sturm zusammenbrauen, aber sich nach dem Sturm schlussendlich doch wieder verziehen und der Sonne Platz machen.

Wenn wir lange genug die Wolken beobachten, werden wir irgendwann mit der Sonne beschenkt. Wenn wir aber ins Haus flüchten und uns unter der Bettdecke verstecken, werden wir sie nicht zu Gesicht bekommen.

Wir sind unseren Gefühlen nicht ausgeliefert

Nach einiger Zeit des Beobachtens werden wir erkennen: Dort wo wir früher auf Autopilot reagiert haben, entfaltet sich Stück für Stück Raum. Wo wir früher gefesselt waren, entsteht mit der Zeit Handlungsspielraum.

Wir schaffen mit der Zeit Distanz zwischen den Emotionen und uns selbst. Wir lernen, dass wir ihnen nicht aufgeliefert sind und erkennen die Natur unsere Gefühle. Wir fangen an, uns nicht mehr mit unseren Gefühlen zu identifizieren, sondern betrachten diese als temporäre Ereignisse.

Energie durch Achtsamkeit

Wenn wir unsere Achtsamkeit schulen und dadurch ein gesundes Verhältnis zu unseren Emotionen entwickeln, werden die Stürme immer schwächer und unser Geist stärker. Wir gewinnen Energie, weil wir nicht mehr kämpfen und Kraft, weil wir uns wieder selbst vertrauen.

Wo früher Stress und Aufregung waren, stellen sich mit der Zeit Klarheit und Gelassenheit ein. Wo Unzufriedenheit war, entdecken wir jetzt, dass wir es in der Hand haben, wie wir uns fühlen. Bei Dingen, die uns früher zum Kochen gebracht haben, bleiben wir heute cool.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim achtsamen Wahrnehmen deiner Gefühle und viel Energie für den Alltag!

 

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“Peter Beer ist Autor, Gründer der Work & Life Academy und Experte für Mentaltraining, Resilienz, Stress- und Veränderungsmanagement. Sein einzigartiges Verständnis für die Bedürfnisse der Leistungsträger der nächsten Generation und seine unkomplizierter und innovativer Ansatz, zeigt wie gesundes, begeistertes und leistungsfähiges Arbeiten möglich ist!“ Coaching Portal Online Nach meinem Studium an der Hochschule in Regensburg arbeitete ich als Ingenieur in einem der größten deutschen Automobilkonzerne. Dort konnte ich hautnah miterleben, wie stressverschärfende Strategien und ungeschulte Führung das Potenzial der Menschen bremst. Mir wurde es eine Herzensangelegenheit daran etwas zu ändern, deshalb studierte ich am Institut für Psychologie in Hagen. Neben dem Psychologiestudium zertifizierte ich mich zum Coach, absolvierte den Master in NLP und gründete die Work & Life Academy, welche jungen Leistungsträgern und Führungskräften zeigt, wie es möglich ist die kommenden Herausforderungen gesund zu meistern. Standort: Regensburg

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