Und täglich grüßt das Murmeltier – Oder warum Erziehungsratgeber nicht funktionieren.

Mehr als 13000 Treffer werden dir angezeigt, wenn du bei Amazon den Begriff „Erziehungsratgeber“ eingibst. Unzählige Bücher, die den Eltern sagen, wie sie ihre Kinder besser in den Griff bekommen.

Unzählige Theorien, welche neue oder auch alte Diagnosen erklären, warum dein Kind sich verhält, wie es sich verhält. Unzählige Methoden, die dir helfen sollen, dein Kind dazu zu bewegen, das zu tun, was du oder die Gesellschaft von ihm erwarten.

Aber hast du dir schon einmal überlegt, warum Jahr für Jahr immer wieder neue Erziehungsratgeber auf den Bestsellerlisten erscheinen?

Weil sie am Ende doch nicht funktionieren! Das ist übrigens nicht nur bei Erziehungsratgebern so, sondern auch in anderen Bereichen, in denen wir von Ratgebern schier überschwemmt werden.

Sie geben uns eine Anleitung, wie wir bei der Kindererziehung endlich glücklich werden, wie wir endlich erfolgreich werden, wie wir endlich mal entspannen können und viele, viele Themen mehr.

Ich sage immer, wenn es die eine Methode gäbe, die alle Eltern an ihr Ziel bringt, dann würde es DEN EINEN Erziehungsratgeber geben

Den würden dann einfach alle Eltern bei der Geburt ihres ersten Kindes ausgehändigt bekommen und gut wäre… Warum ist das nicht so? Die Antwort ist einfach: Weil wir Menschen sind!

Und Menschen sind nun mal verschieden. Jeder von uns hat seine individuelle Geschichte, die nur er so erlebt hat. Jeder hat andere Erfahrungen vor anderen Hintergründen. Jeder nimmt Erlebnisse und Beziehungen unterschiedlich wahr. Jeder handelt aus anderen Motivationen heraus.

Meine Geschichte

Meine persönliche Motivation, mein Leben der Verbesserung der Familien – und Lebenssituation der Kinder zu widmen, begann schon vor fast 30 Jahren. Es war 1986 als endlich im dritten Anlauf meine Kriegsdienstverweigerung anerkannt wurde und ich meinen Zivildienst in einem Kinderheim antrat. Mir war damals schon wichtig, etwas Sinnvolles zu machen und nicht in irgendeinem Park Unkraut zu zupfen.

Meine Zeit Kindern zu widmen, die es nicht so einfach hatten, erschien mir schon damals als sehr sinnvoll, denn ich hatte am eigenen Leib erlebt wie es ist, wenn die Eltern sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht so um ihre Kinder kümmern können, wie sie es brauchen.

Es hat einige Entscheidungen und Erfahrungen gebraucht, bis ich nun – fast 30 Jahre später – dort bin wo ich bin und mache, was ich mache.

Warum erzähle ich dir das alles?

Genauso, wie mich eine Aneinanderreihung von Erlebnissen und Erfahrungen geprägt und dazu gebracht hat zu tun, was ich tue und es zu tun, wie ich es tue, handelst auch du auf der Grundlage deiner Erfahrungen.

Eltern haben Elternsein überwiegend am Modell gelernt. Klick um zu Tweeten

Hast du die Erziehung deiner Eltern als überwiegend negativ erlebt, sagst du dir selbst: „So mache ich das auf keinen Fall!“ – Leider weißt du dann noch lange nicht, wie du es dann machen sollst und bist verunsichert. Aber das ist eine andere Geschichte…Oder du hast deine Kindheit als positiv erlebt, hast viele schöne Erinnerungen?

„Ich mache es genauso, wie meine Eltern“, nimmst du dir vor. – Du hast aber die Rechnung bei diesem Vorhaben ohne die Erkenntnis gemacht, dass du nicht wie deine Eltern bist, und deine Kinder nicht genauso wie du als Kinder bist.

Was für deine Eltern gut und richtig war, muss es also nicht automatisch auch für dich und deine Kinder sein!

Die Art wie du deine Kinder erziehst, ist also eine dir völlig eigene Art. Geprägt durch deine individuelle Geschichte, deine individuelle Sozialisation, dein individuelles Umfeld.

Wie also soll da also ein Ratgeber – geschrieben von jemanden mit einer völlig anderen Geschichte, einer völlig anderen Sozialisation und einem völlig anderem Umfeld – für dich der Wegweiser für den Umgang zwischen dir und deinem Kind sein?

Die Art wie du deine Kinder erziehst, ist immer geprägt durch deine individuelle Geschichte. Klick um zu Tweeten

Sicherlich sind die vielen guten Tipps und Ratschläge praxiserprobt. Manche Informationen sogar wissenschaftlich evaluiert. Die Autoren sind anerkannte Experten auf ihrem Gebiet. Aber eines bringen sie alle nicht mit: Sie kennen weder dich, noch deine Geschichte, noch dein soziales Umfeld.

Kurz: die Ratgeber kennen deine ganz persönliche Welt nicht

Sie können nicht wissen, was dich wie die Hauptdarstellerin in dem Film “ Und täglich grüßt das Murmeltier“ fühlen lässt, weil du Tag für Tag für Tag die gleichen Ansagen machst, die gleichen Kämpfe führst, die gleichen frustrierende Erfahrungen erlebst.

Sie können nicht wissen, welche – zugegebenermaßen oft scheinbar sehr unlogische – Funktion es für deine Familie hat, einen bestimmten Konflikt immer und immer wieder aufleben zu lassen.

Sie können nicht wissen, welche Glaubenssätze in deiner Familie verhaftet sind

Welche inneren Überzeugungen es sind, die euch hindern etwas wirklich nachhaltig zu ändern. Sie können auch nicht wissen, in welcher Situation dein Kind sich befindet, die es antreibt sich immer wieder „auffällig“ zu verhalten.

Meine Erfahrung sagt mir, dass jede Familie ihre eigene Art des Zusammenlebens finden muss. Mit ihren ganz individuellen Regeln, Grenzen, ihrer Freizeitgestaltung und ihrer Form der Kommunikation.

Leider Planen viele Menschen ihren nächsten Autokauf akribischer, als das Zusammenleben ihrer Familie

Viele Eltern sind sich nicht über ihre Erziehungsziele einig. Wohin soll es gehen? Was wollen wir unseren Kindern mitgeben? Was wünschen wir uns und was wünschen sie sich? Und was geht gar nicht?

Ich wünsche mir, Familien würden sich mehr Zeit nehmen, sich mit diesen (und noch mehr) Fragen auseinanderzusetzen, sich mehr Zeit nehmen, um sich wirklich zuzuhören und die Bedürfnisse von Kindern und Partner wahr- und erst nehmen.

So wären Sie schon mal auf einem guten Weg. Auf IHREM Weg. Und den wird keine Familie in einem Erziehungsratgeber finden. Ganz sicher nicht!

Ich unterstütze gerne dabei, Antworten auf die vielen Fragen, die im Bezug auf Erziehung und den gegenseitigen Umgang in Familien stellen!

Ihr Jörg Schnauer

Written by 

Ich bin Jörg Schnauer und als erfahrener Erzieher und Familientherapeut unterstütze ich Eltern dabei, Wege aus ihrer Hilflosigkeit zu finden. - Verstehen, was grad in der Familie passiert. - Erkennen, was verändert werden soll. - Sich wieder selbstwirksam und authentisch erleben. Sind nur einige Schritte, die ich mit Ihnen in meinem Coaching gehe. Standort: Gelnhausen

6 thoughts on “Und täglich grüßt das Murmeltier – Oder warum Erziehungsratgeber nicht funktionieren.

  1. Wunderbar geschrieben!
    In vielen Fällen sind sich Eltern gar nicht bewusst, dass sie zwei verschiedene Wertesysteme mitbringen. Wenn ein Elternteil Selbstverwirklichung und Verantwortung als hohen Wert hat und der andere Sicherheit und Geborgenheit, dann kann das zu Konflikten führen.

    Familien sind immer individuell. So, wie die damit verbundenen Lebens- und Erziehungsmodelle. Was bei einem Kind funktioniert hat, kann bei einem anderen scheitern. Nur, wer diese Indiviuatlität berücksichtigt, wird die richtigen Tipps aus seinem Erziehungskoffer kramen.

    Danke Jörg für diesen Artikel.

  2. Hallo Jörg, ein ganz klasse geschriebener Artikel!!

    Bin da absolut bei Dir und teile deine Meinung. Ich arbeite auch in dieser Richtung, indem ich Mütter darin unterstütze sich in Sachen Kinder mehr auf ihr Bauchgefühl zu verlassen und sich nicht so „von außen / vom System“ beeinflussen zu lassen.

    Denn wie du richtig sagst: Was für Kind A gut ist, muss noch lange nicht für Kind B gu bzw. in dessen Familie umsetzbar sein!! Toll – du machst ganz ganz tolle Arbeit!!

  3. Hallo Jörg,
    toller Artikel. Ich bin absolut deiner Meinung.
    Das was du beschreibst, kann ich auch aus meiner Arbeit bestätigen. Was da anfängt wenn die Kleinen geboren werden, spiegelt sich in den Problemen und Konflikten wieder, die ich von meinen Müttern mit Pubertierenden kenne.
    Das was für ein Kind , eine Familie gut ist und funktioniert, muss nicht für alle gelten.
    Wir sind alle ganz individuelle Menschen und das sind unsere Kinder auch.

    Vielen Dank Jörg

  4. Hallo Jörg,

    finde Deinen Text auch sehr interessant und auch sehr gelungen in Bezug auf die Wichtigkeit des Themas „Erziehung“. Ich finde es braucht da viel mehr Angebote und Unterstützung für viele Familien, die den Eindruck vermitteln, völlig überfordert zu sein mit „ihren“ Kindern. Da wirds einem schon manchmal richtig mulmig bei dem Gedanken: „Was wird dass wohl später mal für eine Eltern-Generation werden?“

    Ich finde ganz toll, was Du machst!

    Alles Gute weiterhin für Deine Arbeit!

  5. Hallo Jörg,

    ich möchte hier anhand eines konkereten Beispieles deine Meinung bestätigen, dass Ratgeber alleine nicht viel bewirken:
    Deinen Artikel habe ich am Sonntag gelesen. Am Montag hatte ich dann abends meine Elterngruppe (ich biete auch Erziehungs- und Familiencoachings an).
    Wir haben da schon seit ein paar Terminen das Thema „Familienrat“. Alle Eltern haben das Buch dazu gelesen (R. Dreikurs, Familienrat), was man – bezogen auf deinen Artikel – ja als Ratgeber sehen könnte. Wir haben soger bereits mehrmas darüber in der Gruppe gesprochen.

    Und dennoch: diesen Montag erst gab es bei allen ein Aha-Erlebnis. Ausgelöst durch die praktische Anwendung zu Hause und dasregelmäßige Berichten und Reflektieren in der Gruppe, gemeinsam mit den anderen Teilnehmern.

    Ich glaube, Ratgeber haben ihren Platz. Jedoch nur, wenn sie in kleinen „Dosen“ angewendet werden, man auch in kleinen Schritten mit der Anwendung beginnt und vor allem: wenn man sich mit Partner, Freundin, Coach etc. darüber austauscht.

    Ich wünsche dir weiterhin viele Familien, die du ein Stück auf ihrem Weg begleiten kannst.

    Viele Grüße, Beatrix

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