Female Leadership auf internationalem Parkett – 5 unorthodoxe Tipps, wie das auch für Dich geht

Wann immer ich auf internationalen Wirtschaftstreffen bin, ist die Zahl der Teilnehmerinnen sehr überschaubar. Gibt es jetzt ab und zu Frauen auf den Podien, so kommen sie nicht selten aus anderen Ländern. Eher trifft frau sie an den Ständen: junge deutsche Frauen, die ihre Organisationen oder Unternehmen repräsentieren, während die Herren in wichtigen Gesprächen unterwegs sind.

Sind Frauen für internationale Karrieren nicht geeignet?

Ich behaupte das Gegenteil. Allerdings stand dem bisher einiges im Weg. Da sind die bewussten oder unbewussten Auswahlkriterien der Unternehmen, und das schnelle „Hier!“ der männlichen Aspiranten, wenn es um Auslandskarrieren geht. Aber auch bei uns Frauen finden sich Barrieren, objektive wie subjektive.

Zeit, daran mehr zu schrauben. Du bist schon international tätig? Super! Du würdest gern international arbeiten? Die folgenden Tipps teile ich gern mit Dir.

1. Wertschätze Deine natürliche Führung

In meiner Jugend war ich sehr zurückhaltend. Ich ergriff das Wort nur, wenn die Sache es erforderte oder eine Ungerechtigkeit drohte, ihren Lauf zu nehmen. Und wie aus dem Nichts bekam ich dann oft Zustimmung von vielen Seiten. So wurde ich Klassensprecherin, so überließen mir Vereinsfrauen, als ich gerade mal 23 war, die Finanzverhandlungen für eine große Bildungskonferenz, so hielt ich meine erste Rede vor Hunderten von Zuhörern.

Wenn ich hier von Führung spreche, meine ich diese Haltung, spontan in Verantwortung zu gehen. Eine Lösung zu haben oder sie zu initiieren. Das Wort zu ergreifen und vor allem – zu handeln.

Die anderen folgen Dir, wenn sie Kompetenz sehen oder vermuten; sie vertrauen Deiner Entschlossenheit.

Frage 1: in welchen Situationen bist du wie von selbst in Führung gegangen?
Sei es im Kreis Deiner Freundinnen, sei es im Beruf, sei es mit einer Idee, mit schnellem Handeln.

Was immer Du hier findest, es zeigt Dir, welches Zeug Du zur natural Leadership hast. Und glaub mir, das ist etwas Wertvolles, um das uns andere beneiden. Führung als personal trait – so heißt es in der Fachliteratur – wertschätze und hüte diese Ressource.

Lass Dich nicht anfechten von neidender Kritik oder Zweifeln, auch nicht von den eigenen!

2. Ergreife Chancen und wachse über Dich hinaus

Beamen wir uns nach Rio de Janeiro, in die Zeit vor der ersten weltweiten UN Konferenz. Als Beraterin einer deutschen Geberorganisation begleitete ich ein Frauennetzwerk bei der Organisation der internationalen Konferenz „Frauen, Gesundheit und Umwelt“ . Es wurden 385 Teilnehmerinnen aus 35 Ländern erwartet.

Wie immer liefen kurz vor Beginn die Telefone heiß. Da sollte die indische Delegation am nächsten Morgen am Flughafen abgeholt werden. Doch die Veranstalterinnen hatten alle Hände voll zu tun. Schon hörte ich mich sagen „mach ich“. Kein Gedanke an mein zu der Zeit noch relativ bescheidenes Portugiesisch.

Und so fuhr ich am nächsten Morgen zu nachtschlafender Zeit zum International Airport Galeão und wartete auf ‚meine‘ Delegation. Doch die indischen Expertinnen kamen und kamen nicht durch die sich immer wieder schließende Schiebetür. Als ich sie durch ein Spalt doch erblicken konnte, huschte ich kurzentschlossen ins Allerheiligste des Zolls.

Ich fand mich wieder im portugiesischen Dialog mit den Zollbeamten, denn deren Englisch war erbärmlich bis nicht vorhanden. Ja, die Damen im Sari würden als Referentinnen auf einer internationalen Konferenz erwartet, erklärte ich mit Bestimmtheit. Es funktionierte.

Wenn Du in Führung gehst, begibst Du dich oft auf unbekanntes Terrain

Das erfordert Mut. Aber auch eine gute Selbstkenntnis. Denn immer geht es um das Verhältnis dessen, was Du schon kannst, zu dem, was neu ist. Und um Dein Selbstvertrauen, was sagt Dein Bauch? Wenn ich Dir rate, Deine Komfortzone zu verlassen, meint das erweitern, nicht Kamikaze. Du sollst nicht innerlich vor Angst beben.

Es darf kribbeln, ja, das Herz darf ein bisschen schneller schlagen. Doch getragen sein sollte Deine Aktion von Vorfreude und Neugier auf den Outcome. Denn natürlich hast Du bei dem, was Du tust, ein Ziel, besser noch eine Vision oder Mission.

Frage 2: Wobei bist Du über Dich hinausgewachsen? Was hat Dich sicher gemacht? Wofür brennst Du, wenn es um Beruf oder Gesellschaft geht?

3. Lerne über Dich und die Welt, lebenslang

Es war bei einem Projektbesuch in Jamaika, bei dem es um Konfliktmanagement ging; Abrechnungsfragen mit dem deutschen Geldgeber. Als meine Partnerinnen, die Damen des Frauendachverbandes, mich zu einer karibikweiten Fachkonferenz einluden: „Gender and Paradigm Shift“.

Natürlich hätte ich sagen können „keine Zeit, die Projektprobleme haben Vorrang“. Doch was hättest Du getan? Klar, ich habe teilgenommen. Diese Erfahrung wurde zu einem tiefgreifenden Learning über die Kompetenz der karibischen Frauen. Und zu einem zukunftsweisenden Lernen für meine eigene Karriere in Deutschland.

Denn bei uns konnten damals, 1997, nur sehr wenige das Wort Paradigmenwechsel überhaupt verstehen, geschweige denn umsetzen. Was meinen Auftrag anging, konnten die Frauen mich auf der Konferenz als Gleiche unter Gleichen erleben. Natürlich haben wir daraufhin die Konflikte zügig und einvernehmlich lösen können.

Wenn Du Neuland betreten möchtest, höre auf, vor der eigenen Küste zu paddeln.

Woanders ticken die Menschen anders, mach Dich schlau über andere Umgangsformen, vor allem aber über Werte und Kultur, auch Geschäftskultur. Mach Deine Erfahrungen und reflektiere sie. Das ist Dein Schatz. Fünfzehn Jahre lang habe ich (zumeist männliche) Führungskräfte für internationale Einsätze trainiert – das Wissen, bei uns hochgeschätzt, ist nur ein kleiner Teil dessen, was Du in internationaler Kooperation brauchst.

Das wichtigste bist Du, Deine reflektierten Erfahrungen, Deine Haltung und das daraus resultierende Verhalten gegenüber Anderen. Lebenslanges Lernen ist bei uns fast schon zu einem inhaltsleeren Modewort verkommen, doch diese Haltung ist eine notwendige Voraussetzung für Führung, erst recht für internationale Führung.

Frage 3: Wie lernst Du über die Welt? Wie lernst Du über Dich selber in dieser Welt?

4. In Führung kommst Du nicht allein – lass andere Dich fördern

Viele Menschen haben mich auf meinem Weg unterstützt, implizit wie explizit. Vorstellen möchte ich hier besonders drei Frauen:

Annekathrin leitete damals die Abteilung Internationales der ersten Frauenstiftung und kannte mich aus jahrelanger gemeinsamer ehrenamtlicher Arbeit. Ihr habe ich meine ersten Aufträge in Übersee zu verdanken sowie den Freiraum, sie inhaltlich zu gestalten. Leadership by Vertrauen.

Als ich Thaís in Rio kennenlernte, war sie das, was wir heute Social Entrepreneur nennen, eine geborene Macherin und große Netzwerkerin. Sie organisierte meinen ersten ersten Vortrag auf Portugiesisch. Ab da kannte ich auf einen Schlag die wichtigsten Leader innen der aller Frauenorganisationen. Nur kurze Zeit später wurde Thaís zu einer der Wegbereiterinnen der Zivilgesellschaft zum Tisch der Staatsmächte bei UN-Konferenzen. Von ihr kann frau die Kombination aus Charme und Chuzpe lernen, wenn es darum geht, das Unmögliche möglich zu machen. Ich sehe Thaís als meine Türöffnerin in Brasilien und Mentorin fürs globale Parkett.

Last but not least Rawwida, die damalige Koordinatorin des karibikweiten Netzwerks zu Frauenforschung und Handeln in Trinidad. Ihr verdanke ich Horizonterweiterung. Zunächst in Vielfalt: als Engländerin mit indischen Roots im Meltingpot Trinidad nahm sie mich mit zu Divali, dem bedeutendsten Fest der Inder. Als Rawwida später zurück nach London ging, konnte ich außerdem beobachten, wie Forschung sinnvoll in Politikgestaltung einfließt, eine Sisyphusarbeit. Für mich ist Rawwida ein Vorbild in Managing Diversity und an Resilienz, ohne die frau nicht Führungskraft werden sollte

Wie kann das Zusammenspiel von Führung und Förderern generell gelingen?

Wie in meinem Beispiel findest Du diese Menschen (bei mir gibt’s übrigens auch männliche Förderer, doch über die schreib ich ein andermal) in ganz unterschiedlichen Kontexten. Im Beruf können es Vorgesetzte sein, vielleicht gibt es ein Trainee-Programm, spezielle Frauenförderung, kollegiales Coaching oder Mentoring. Such Dir etwas, frag danach.

Außerhalb kann es natürlich auch ein Coach Deines Vertrauens sein. Die die für Dich richtige Mischung aus Fördern und Fordern findet. Manchmal lässt sich beides sogar verbinden: Du wählst Dir jemand und Deine Firma zahlt. Frag einfach mal. Und das ist mein letzter Tipp für heute:

5. Wer fragt, führt!

Letzte Frage: Wer hat Dich bis jetzt schon gefördert? Wer in Deiner Firma ist Dir wohlgesonnen, verfügt über das Mehr an Alter und Erfahrung und könnte Dein Mentor werden?

Du bist herzlich eingeladen, Deine Erfahrungen mit mir zu teilen. Jetzt wünsche ich Dir erstmals Insights beim Reflektieren und dann den Erfolg im Außen!

Deine Petra Sorge dos Santos

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'Leadership CHANGES Cultures' Die globalisierte Welt wird immer komplexer und wandelt sich ständig. Frauen sind Komplexität und Wandel gewöhnt. Beim Coaching across Cultures geht es um die eigenen Vision, andere Kulturen und den Umgang mit Veränderung. Sowie auch um den Umgang mit Diversity, mit Menschen, die anders ticken als man/frau selbst. Und Vielfalt, die beginnt bei uns. Deshalb ist „Leadership Changes Cultures“ gerade für Führungspositionen so ein nachhaltiges Mittel. Es ist ein co-kreativer Prozeß, denn „Coaching heißt für mich, Möglichkeiten zu kreieren, in denen Menschen ihre Kompetenz selbstbestimmt erweitern.“ Petra Sorge dos Santos, frei nach Paulo Freire Und so hab ich das gelernt Mit dem Schaffen von Lern-Möglichkeiten habe ich vor 35 Jahren als Erwachsenenbildnerin -so mein akademischer Zusatz zum Diplom-Pädagogen- begonnen. In diesem Spirit konnte ich Anfang der 80er zu nachhaltiger Frauenbildung beitragen: die Hamburger Frauenwoche mit unglaublichen 10.000 Teilnehmerinnen (1981) und dann das Frauenbildungszentrum Denk-t-räume, das auch nach 34 Jahren noch existiert. Als Angestellte gelang mir, das Lernen in der beruflichen Bildung mit Open Learning zu modernisieren und Hunderte von Menschen auf ihrem Karriereweg zu coachen. Zu einer Zeit, als man den Begriff Coaching in Deutschland noch gar nicht kannte. Mein eigener Weg ging dann über den Master in NLP in die Welt. Der Ausbau der FrauenAnStiftung führte mich als Projektmanagerin nach Brasilien sowie mit Projektberatung in die Karibik und ins südlichen Afrika. Eine große Learning Journey, auf der ich viel über mich und die Welt gelernt habe. Ein Ergebnis war, mich 1995 als interkulturelle Trainerin und Beraterin selbständig zu machen. Fortan waren deutsche Führungskräfte internationaler Unternehmen mein Klientel. Sie nahmen erfolgreich an meinen Trainings teil. Doch wie viel bzw. wie wenig sie vom Gelernten umsetzen konnten, beschäftigte mich immer mehr. Denn es ist nicht das Faktenwissen, was den internationalen Erfolg ausmacht, mehr sind es Haltung und Kompetenzen, die ich heute’Global Skills’ nenne. Und die erwirbt man nicht in ein oder zwei Tagen. Zumal die Unternehmen, die mich beauftragten, nicht mit lernten. Deshalb habe ich das Coaching weiter ausgebaut und mein Fokus liegt heute auf „Leadership Changes Cultures“, was zugleich mein Motto ist. Bei Individualkunden geht es häufig darum, die eigene Karriere internationaler zu gestalten, aus der eigenen binationalen Idee ein Geschäft zu kreieren oder die internationale Karriere den Lebenszielen anzupassen. Mit meinen UnternehmensKunden loten wir im Coaching aus, wie sie Komplexität und Diversity führen oder wie sie mehr Selbstorganisation ihrer Mitarbeiter ermöglichen. Und natürlich, wie sie den InterKulturellen Wandel im Unternehmen mitgestalten. Wenn wir im Coaching den Bedarf an Prozessmoderation, Team- oder interkultureller Organisationsentwicklung entstehen sehen, bin ich gern dabei. Meine Leidenschaft ist und bleibt das Ermöglichen kleiner und großer Learning Journeys. Standort: Hamburg

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